Ewersbach Rittershausen Mandeln Steinbrücken    
Ewersbach
Der Ort Ewersbach, der vielleicht 1232, sicher 1302 als Ebirspach erstmals in der schriftlichen Überlieferung erscheint, ist aus den drei Dörfern Berg-, Straßebersbach und Neuhütte hervorgegangen. Bereits 1818 war von der damaligen herzoglich-nassauischen Landesregierung der Zusammenschluss von Neuhütte und Straßebersbach verfügt worden. 1937 wurden Berg- und Straßebersbach zu Ewersbach vereinigt.
Erst im 15. Jh. vollzog sich im Umkreis der Kirche, wo die Herren v. Bicken eine Burg (wohl eine befestigte Hofanlage), später einen Hof besaßen, eine Dorfbildung, denn die Martinskirche war ursprünglich eine abseits der Siedlung liegende Feldkirche gewesen. Noch langsamer verlief die Siedlungsentwicklung im Bereich der um 1448 erbauten Neuhütte, wo lange Zeit nur die beiden Waldschmiede mit ihren Familien wohnten.
Alter Siedlungsmittelpunkt war dagegen Ebersbach "An der Straße", das noch in Reisehandbüchern des 16. Jhs. als Etappenstation an der wichtigen West-Ost-Verbindung von Köln nach Leipzig erscheint. Hier war der Sitz des 1303 erstmals erwähnten Gerichtes, das als "redendes Wappen" einen Eber in seinem Siegel führte. Es setzte sich aus einem Zentgrafen bzw. Schultheißen und zwölf Schöffen zusammen, die aus den zehn Gemeinden des Gerichtsbezirkes gewählt wurden. Seine Zuständigkeit umfasste sowohl die niedere, als auch die hohe Gerichtsbarkeit ("über Hals und Haupt"). Gerichts- und Richtstätte war ursprünglich der Berg "Stein" nahe Steinbrücken; erst nach dem Erwerb durch die Dillenburger Grafen 1486 wurde das Gericht in den Ort verlegt, wo die Landesherrschaft im 16. Jh. auch ein Amtshaus angekauft hatte.
Dem Kauf des Gerichtes waren mehr als 150 Jahre dauernde Auseinandersetzungen mit den Herren von Bicken, vor allem mit Philipp dem Alten, vorausgegangen. Denn diese Familie besaß Dorf und Gericht als Lehen aus der Hand der Herren von Molsberg, die damit ihrerseits von den rheinischen Pfalzgrafen belehnt worden waren. Die Gerichtsrechte stammten aus der Hand des Reiches; Dorf und Gericht dürften daher ursprünglich Königsgut gewesen sein. Diese Besitzverhältnisse lassen einen Zusammenhang mit dem 914 erwähnten Königshof in Haiger und seiner Übertragung an das Walpurgisstift in Weilburg vermuten, zumal 914/1048 die Dietzhölze die Ostgrenze der Haigermark bildete.
1725 wurde das Amt Ebersbach noch um das Amt Tringenstein vergrößert. Als nach dem Ende der französischen Herrschaft und den Regelungen des Wiener Kongresses das Dillenburger Land durch einen Vertrag mit Preußen an das Herzogtum Nassau gefallen war, wurde bei der Neugliederung des Herzogtums unter Herzog Wilhelm  von Nassau das Amt Ebersbach am 01. Juli 1816 aufgehoben und mit dem Amt Dillenburg vereinigt.
2003 feierte Ewersbach seinen 700. Geburtstag.
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Rittershausen
Rittershausen wird 1344 im Mann- und Zinsbuch der Herren von Bicken erstmals erwähnt, ist aber sicher weitaus älter. Der Ortsname dürfte von einem Personennamen Ruthard abzuleiten sein, die ursprüngliche Form wohl Ruthardeshausen gelautet haben.
Bedeutendster Grundbesitzer am Ort waren die v. Bicken, die hier und an anderen Orten des Gerichtes Ebersbach, daneben auch noch in Wissenbach, umfangreiche Zehntrechte aus der Hand der Grafen v. Wittgenstein besaßen. Den Rittershäuser Zehnten konnte die Gemeinde 1691 gegen eine Zahlung von 300 Reichstalern von der Witwe des Philipp Caspar v. Bicken, die Bargeld zur Ablösung eines Kredits benötigte, auf Dauer erwerben. Nach einer Zehntbeschreibung von 1567 umfaßte der Zehntbezirk den größten Teil der Dorfmark westlich der Dietzhölze.
Die auffällige Größe der neuzeitlichen Gemarkung Rittershausen von 1.846 ha erklärt sich daraus, dass in ihr die Wüstung Langenbach aufgegangen ist. Langenbach erscheint als Siedlung zum letzten Mal in der 2. Hälfte des 14. Jhs. in der schriftlichen Überlieferung, ist also, ebenso wie Mandeln, während der spätmittelalterlichen Agrardepression, die zu einem Wüstwerden zahlreicher Siedlungen in Deutschland führte, aufgegeben worden. Allerdings dürften seine Feldmark und auch die anliegenden Wälder von Rittershausen aus weiter benutzt worden sein. So hatte z. Bsp. die Gemeinde Rittershausen 1576 in der Gemarkung Langenbach ("in Langenbacher gemarck") von der Landesherrschaft einen Hauberg entlehnt, der von alters her 4 Gulden gezinst hatte.
Innerhalb des erwähnten Zehntbezirkes lag ein Hof der Dillenburger Grafen, denen auch der Hilgeshäuser Hof, in dessen Bereich später das fürstliche Jagdhaus Wilhelmstal bzw. das heutige Forsthaus Dietzhölze entstand, gehörte. Außerdem war auch in Rittershausen die Ewersbacher Kirche reich begütert.
Die Häufung lehnsherrlichen Besitzes, wie sie gerade in Rittershausen besonders deutlich zu erkennen ist, lässt den Schluss zu, dass es echtes Eigentum der Dorfbewohner in nennenswertem Umfang nicht gegeben hat, die Bevölkerung ihr Land, von dem Martinizinsen zu entrichten waren, vielmehr in Erbleihe besaß. Erst mit der Ablösung der Zinsen und Frondienste im 19. Jh. wurde daraus Privateigentum im heutigen Sinn.
Im Übrigen besitzt Rittershausen mit der "Burg" auf der 516 m hohen "Ley" einen bedeutenden vorgeschichtlichen Fundplatz Hessens. Die Wallanlage gehört zeitlich in die Frühlatenzeit (ab 450 v. Chr.) und kann möglicherweise als keltischer Adelssitz angesprochen werden. Ihre Ausgrabung in den Jahren 1911 - 13 erbrachte umfangreiches Fundmaterial, neben Keramik vor allem Eisenwaffen und -geräte. Die Burg wurde im 3. Jh. v. Chr. zerstört und in der Folgezeit nicht mehr aufgebaut. Ob ihr Untergang tatsächlich, wie dies die ältere Forschung annahm, durch von Norden vorstoßende Germanen verursacht wurde, ist noch nicht abschließend geklärt und bedarf daher weiterer Überprüfung.
1994 feierte Rittershausen seinen 650. Geburtstag.
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Mandeln
Mandeln wird im Jahr 800 im Lorscher Codex erstmals als Mauuentelina erwähnt, als ein Grundherr Larger und seine Ehefrau Duda dem Kloster hier Güter und Leibeigene übertragen. Beim Namen dürfte es sich um einen alteuropäischen Gewässernamen handeln, der vom heutigen Mandelbach auf die Siedlung übertragen wurde.
Als unzutreffend stellte sich auch die alte Auffassung heraus, dass Mandeln erst mit der Neugründung Bestandteil des Gerichtes Ebersbach geworden sei, denn seine Zugehörigkeit zu diesem Gericht ist bereits für das Jahr 1466 bezeugt, dürfte aber noch wesentlich älter sein. Für die Geschichte Mandelns ist seine Lage an der Grenze zweier Grafschaften, der Grafschaft Wittgenstein im Norden und der Landgrafschaft Hessen im Osten, von besonderer Bedeutung gewesen. Während die Grenze mit Wittgenstein nach der Beilegung von Streitigkeiten gegen Ende des 15. Jhs. im wesentlichen unverändert blieb, versuchte Hessen im gesamten Bereich der Ostgrenze des Gerichtes Ebersbach, seine Ansprüche weiter nach Westen auszudehnen. Die Grenze verlief im 15. Jh. vom Dreibeinigen Stuhl auf dem Halloh östlich des Mandelbaches unterhalb des Hessenwaldes, auf dem Hessen während der Dernbacher Fehde eine Burg gleichen Namens hatte errichten lassen, über den Mausköppel zum Staffelböll. Zu Beginn des 16. Jhs. war Hessen mit einem Grenzgang in das Gericht Ebersbach eingedrungen und hatte dabei als Grenze die Linie Mandelbach (vor der Einmündung des Ebachs) - Dietzhölze (bis Eibelshausen) beansprucht. Die Dillenburger Grafen wandten sich deshalb sogar Hilfe suchend an ihren Lehnsherrn, den Pfalzgrafen. Da beide Seiten in der Folgezeit auf ihrer Grenzziehung beharrten, entstand im besagten Bereich der Grenze ein Gebiet "zwischen den Zügen", das jede Seite als ihr Eigentum beanspruchte. Weil vor allem auch wirtschaftliche Nutzungsrechte betroffen waren, entstanden zwischen Roth und Mandeln, aber auch zwischen anderen Gemeinden des Gerichtes Ebersbach und der hessischen Seite langwierige, zum Teil gewalttätige Auseinandersetzungen. Sogar Tote soll es gegeben haben, und vor dem Reichskammergericht wurde ein Prozess geführt.
Nachdem es noch um 1740 zu einer Schlägerei zwischen den Einwohnern von Mandeln und Roth im "Kuhschwanz" gekommen war, wurde durch einvernehmliche Grenzregelung, die vom hessischen Amtmann Klipstein und dem nassauischen Amtmann Wolckenhaar durchgeführt wurde, eine friedliche Entwicklung eingeleitet.
2000 feierte Mandeln seinen 1200. Geburtstag.
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Steinbrücken
Steinbrücken trägt seinen Namen nach zwei heute nicht mehr vorhandenen steinernen Brücken, auf denen die Köln-Leipziger Straße in zwei Zügen oberhalb und unterhalb der heutigen Ortschaft die Dietzhölze überquerte. Ein Friedrich Steinbrücker (Stenenbruckere), der 1283 als Zeuge für Graf Siegfried von Wittgenstein in einer Urkunde für Kloster Caldern (bei Marburg) erscheint, kann vielleicht mit dem Ort in Verbindung gebracht werden. Steinbrücken lag ursprünglich in der Gemarkung Eibelshausen und erhielt endgültig erst 1823 eine eigene Gemarkung, die aus den Fluren der umliegenden Dörfer herausgeschnitten wurde. Im Spätmittelalter war hier eine wohl auch zu Wallfahrten genutzte Marienkapelle mit Klause (Flurname: Klauskeppel) und eigenem Friedhof entstanden, bei der drei Jahrmärkte abgehalten wurden. Diese Kapelle wurde 1553 verkauft und verfiel in der Folgezeit; die Märkte wurden nach Ewersbach verlegt.
Bedeutsam für die Entwicklung zum späteren Dorf war die ca. 1416/18 erfolgte Gründung einer Eisenhütte durch einen Bayern namens Jeckel, nach seinem Nachfolger auch Dobenershütte genannt. Sie lag in nicht allzu weiter Entfernung der Eisenerzgruben des Schelderwaldes, während Holzkohle aus den umliegenden Dörfern bezogen werden konnte. Diese Hütte leitete den Aufstieg Steinbrückens zu einem bedeutenden Industriestandort des oberen Dietzhölztales, zu einem Dorf der Hammerschmiede ein.
Die Dobenershütte, die zuerst aus einem Renn- und Hammerwerk bestand, wurde Ende des 16. Jhs. in einen Frischhammer, später in einen Stab- und Kleineisenhammer umgewandelt. 1652 ließ Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg die Mühle "vor dem Teich" (dem heutigen Hammerweiher) abbrechen und an ihrer Stelle ein neues Hammerwerk, den Teichhammer, errichten, der später als Reckeisenhammer betrieben wurde. 1801 kam als dritte Anlage oberhalb des Stabhammers noch der Zainhammer hinzu, so dass sich in Steinbrücken die Weiterverarbeitung des Eisens konzentrierte. In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. wurden die beiden Hämmer in Steinbrücken zusammen mit der Neuhütte in Ewersbach und der Eibelshäuser Hütte von der Landesherrschaft, in deren Hand sich damals alle diese Anlagen befanden, zum "Steinbrücker Bezirk" zusammengefasst. Seit 1816 gelang es Johann Jacob Jung, einem Mitglied der für das Dillenburgische Bergbau- und Hüttenwesen bedeutenden Siegerländer Familie, der vorher bereits Hütteninspektor gewesen war, als Pächter die Hütten des Steinbrücker Bezirks mit Ausnahme der Neuhütte in seine Hand zu bringen. 1865 konnte er diese Hütten vom Fiskus kaufen, 1876 kam aus privater Hand auch die Neuhütte dazu. 1883 wurde das unter dem Namen J. J. Jungs geführte Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen "Hessen-Nassauischer Hüttenverein" umgewandelt, die ihren Sitz in Steinbrücken hatte und Anfang der 30er Jahre dieses Jahrhunderts in der Buderus AG aufging. Allerdings erlebten die Steinbrücker Hämmer diese Entwicklung nicht mehr. Das Aufkommen des Puddelverfahrens machte die Hammerwerke unrentabel und erzwang ihre Schließung.
Deshalb wurde schon bald nach 1865 der Stabhammer abgebrochen, der Teichhammer war noch bis in den Winter 1869 in Betrieb und auf dem Zainhammer verstummte 1870 der Hammerschlag. So erinnert heute nur noch der Name des als Freizeitanlage genutzten Hammerweihers an Steinbrückens große industrielle Vergangenheit.

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