Bäume und Hecken sind von Frühjahr bis Herbst geschützt – fürs Fällen und Beseitigen ist meist eine Genehmigung erforderlich
Wetzlar/Dillenburg, 29. Februar 2012

Mit Beginn des Frühjahrs beginnt auch die Tierwelt wieder mit ihren Aktivitäten und findet in Hecken und Gebüschen ideale Lebensräume, sei es als Nist- oder Ruheplatz, Nahrungsraum oder Unterschlupf.

Aus diesem Grund unterliegen diese Gehölze vom 1. März bis 30. September eines jeden Jahres einem besonderen Schutz und dürfen nicht beseitigt werden.

Dies gilt auch für Hecken und Büsche im eigenen Garten. Sie bieten gerade im besiedelten Gebiet oft die einzige Rückzugsmöglichkeit für viele gefährdete Tierarten. Ein schonender Form- und Pflegeschnitt zur Beseitigung des laufenden Zuwachses ist natürlich möglich, wobei auch hier auf brütende oder nistende Vögel geachtet werden sollte.

Auch das Fällen von Bäumen ist von März bis September nur eingeschränkt möglich. In dieser Zeit dürfen Bäume außerhalb von gärtnerisch genutzten Flächen und natürlich des Waldes ohne Ausnahmegenehmigung nicht beseitigt werden. Hierbei geht es vor allem um Bäume an Straßen, Obstbäume in Streuwiesen sowie Einzelbäume oder Baumgruppen in der freien Landschaft.

Sollte es aus Sicherheitsgründen oder wegen dringender Bauarbeiten doch erforderlich sein Bäume oder Hecken zu beseitigen, ist ein rechtzeitiger Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises ratsam.
In einigen Fällen gibt es Ausnahmen. Meist ist jedoch eine Genehmigung einzuholen.

Der Erste Kreisbeigeordnete und Naturschutzdezernent Wolfgang Hofmann, selbst passionierter Tierfreund, Obst- und Gartenbauer, erläutert den rechtlichen Hintergrund der Regelung: „Alle europäischen Vogelarten und viele andere Tierarten unterliegen einem besonders strengen Schutz.
Hierbei geht es nicht nur um die Tiere selbst. Auch ihre Nist- und Ruheplätze dürfen nicht zerstört oder beschädigt werden. Zwar bauen Vögel ihre Nester vornehmlich in Büschen oder im hohen Gras, aber der „besondere Artenschutz“, so der Rechtsbegriff, erstreckt sich auch auf Tierarten, die in oder an Gebäuden leben, wie Schwalben oder Fledermäuse.“

Vor allem bei Umbaumaßnahmen an alten Gebäuden kann dies ganzjährig eine Rolle spielen, da z. B. Fledermäuse ihre Winterquartiere gern auf Dachböden einrichten.

Wolfgang Hofmann weist darauf hin, dass massive Verstöße gegen das Europäische Artenschutzrecht keine Ordnungswidrigkeit darstellen, sondern als Straftat von der Staatsanwaltschaft verfolgt werden. „Man könne“ so Hofmann „nur jedem raten, sensibel mit dieser Thematik umzugehen. Über das Vogelgezwitscher im Frühjahr freuen wir uns doch alle.“

nach oben